Die Geschichte des Falkenburger Schützenvereins von 1894 e. V.

1994 war ein bedeutendes Jahr in der langen und traditionsreichen Geschichte des Falkenburger Schützenvereins, denn 100 Jahre war es her, daß sich im Frühjahr 1894 in “Loenneckers Gasthof” einige Bürger des Ortes zur Gründung eines Schützenvereins trafen.

“Der Verein hat den Zweck, das Scheibenschießen zu üben und dadurch die allgemeine Waffenfähigkeit zu erhöhen. Der jährlich Beitrag beträgt 1 Mark, welcher jedoch nur auf Bedürfnis erhoben wird” heißt es in den Statuten; sie blieben erhalten, das Gründungsprotokoll jedoch nicht. Auch ist nicht überliefert, wer der erste Vorsitzende war. Fest steht lediglich, daß zu den Männern der ersten Stunde der Gastwirt und Postmeister Peter Loennecker, sowie die Ortsbewohner Dierks, Linnemann, Tieke und Blankemeyer gehörten. Loenneckers Gasthof “Zur Falkenburg” war von der Gründung an das Vereinslokal des Schützenvereins Falkenburg.

Die Errichtung einer Schießanlage im Dorf Falkenburg / Habbrügge war zunächst nicht möglich. Die damals “scharfen Bestimmungen” der Behörden ließen es nicht zu. Geschossen wurde vielmehr auf einem Platz in der Heide am Hexenberg. Der in mühevoller Eigenarbeit erstellte Stand hatte eine Länge von 175 Metern mit Einzelschußanzeige. Bis 1928 wurde dort (am heutigen Sandweg) “Am Hexenberg” eifrig Schießsport betrieben nach dem Wahlspruch:

“Üb Aug’ und Hand fürs Vaterland”

Die Patronen vom Kaliber 8.15 X 46R mußten immer wieder verwendet werden: Entfernung des Zündhütchens, Auffüllen mit 0,7 Gramm rauchlosem Pulver und Aufsetzen der vorher eingefeilten Bleikugel – ein mühsames Geschäft.

1928 tat der Verein einen Schritt in die richtige Richtung, wie man heute zu sagen pflegt. Auf einem 1927 gekauften Grundstück am “Alten Postweg” entstand ein neuer Schießstand mit vier Kleinkaliberständen (50 Meter) und vier Ständen für Großkaliber (175 Meter).

Beim Königsschießen wurde wie folgt verfahren: Der jeweilige Schütze mußte mit zwei Gewehren auf zwei Ständen sechs Schuß abgeben. Dadurch kamen zwar keine hohen Ringzahlen als Spitzenresultate zustande, aber der König wurde gerecht ermittelt. Die Ringzahl wurde durch eine handbetätigte Uhr, die Schußlage mit einem Anzeigestab angezeigt. Von den Falkenburger und Habbrügger Jungen hat sich mancher damals sein Taschengeld etwas aufgebessert.

Das bisher schon rege Vereinsleben erfuhr durch die neue Anlage einen starken Auftrieb, der bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges anhielt. Der Falkenburger Schützenverein feierte damals – dies ist keineswegs eine Übertreibung – eines der schönsten und größten Schützenfeste mit einer Anziehungskraft, die nach dem II. Weltkrieg nie wieder erreicht wurde. Schützenbälle wurden in beiden Sälen der Gaststätten gefeiert mit allen Drum und Dran. Von Lokal zu Lokal spannten sich bunte Lichterketten an der Hauptstraße entlang. Das Hin- und Herwandern der nach Hunderten zählenden Besucher fand in romantischer Umgebung statt.

Wie schon im I. Weltkrieg kam auch während des letzten Krieges der Schießbetrieb fast völlig zum Erliegen.

Der Neuanfang nach 1945 war entsprechend schwer. Die Gewehre vernichteten die britischen Besatzungstruppen durch Überfahren mit Panzern. Der Schießstand sollte auch vernichtet werden. Das dies nicht geschah verdankt der Schützenverein Falkenburg seinem damaligen Vorsitzenden Hermann Meyer sowie einigen beherzten Mitgliedern. Das Schützenhaus von 1928 wurde Wohnsitz einer Flüchtlingsfamilie.

Erst am 30. Dezember 1949 kam es zu einer Neugründung des Vereins mit 25 Mitgliedern, um das Gemeinschaftsleben und die alte Tradition wieder zu pflegen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Hermann Meyer gewählt, die dieses Amt dann bis 1975 inne hatte.

Das erste Schützenfest nach dem Kriege fand 1950 mit großer Beteiligung statt. 1952 schafften sich die Schützen die erste Vereinsfahne an. Erster Träger war der allen Habbrüggern und Falkenburgern unvergessene Arzt Dr. Gutsche. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 4 Mark festgesetzt. Der durchschnittliche Stundenlohn belief sich damals auf 1,30 Mark.

Nach dem Auszug der Flüchtlingsfamilie aus der Schießhalle wurde diese und die Stände in ungezählten freiwilligen Arbeitsstunden gründlich überholt und auf den neuesten Stand gebracht. 1958 konnte zusätzlich eine Scheibentransportanlage in Betrieb genommen werden.

Ein besonders Ereignis in der Vereinsgeschichte trat 1969 ein – die Damenabteilung wurde gegründet. Erste Vereinskönigin war Gesine Lueßmann.

1992 konnte der Schützenverein Falkenburg seinen neuen Schießstand und die Schießhalle mit einem “Tag der offenen Tür” einweihen. In nur acht Monaten Bauzeit hatten die Mitglieder und viele Helfer, überwiegend in Eigenarbeit, ein schmuckes Domizil erstellt. Seitdem schlägt das Herz des Vereins im neuen Heim am “Alten Postweg“ und es wird weiterhin dessen Bestreben sein, auch in Zukunft, neben dem Schießsport die Dorfgemeinschaft und das Zusammenleben aller Einwohner zu fördern. Wie heißt es doch so schön in einem alten Witz: „Kommen Sie in den Schützenverein und treffen Sie Freunde!”

Zur Jahrtausendwende beschloß die Mitgliederversammlung den Bau eines neuen Luftgewehrstandes mit drei Bahnen. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Vorhaben begonnen und fertiggestellt – wiederum fast komplett in Eigenarbeit. Heute stehen unseren Jüngsten beim Übungsschießen je 1 Automat, 1 Zuganlage und 1 Rika – Anlage (munitionslos) zur Verfügung. Es können jedoch alle 3 Bahnen unterschiedlich ausgerüstet werden.

Im Laufe der Jahre seit dem Wiederbeginn nach dem Krieg hatte natürlich auch die Schießanlage im KK – Bereich, d. h. die Automaten und Zuganlagen gelitten. Bedingt durch ständig steigende, erhebliche Ersatzteilkosten und teilweise nicht mehr beschaffbare Ersatzteile – die Automaten und Zuganlage hatten teilweise ca. 50 Jahre auf dem Buckel – wurde Anfang 2008 von den Mitgliedern abgestimmt, eine neue Schießanlage zu beschaffen.

Ende 2008, genauer gesagt am 22.12.2008 erfolgten die ersten Abriss- und Umbauarbeiten. Ende Februar 2009 konnte der reguläre Schießbetrieb wieder aufgenommen werden. Alle Arbeiten wurden auch jetzt ausschließlich von Mitgliedern durchgeführt. Eine reife und gute Leistung. So etwas funktioniert nur, wenn man im Verein zusammenhält und jeder mitmacht, sei es durch Arbeit oder durch Spenden. Die Anlage kann sich sehen lassen und bestand ihre Premieren mit dem Pokalschießen im April 2009 und dem Schützenfest im gleichen Jahr mit Bravour.

Die Vorsitzenden des Falkenburger Schützenvereins

Die Vorsitzenden aus der Gründerzeit bis zum Ende des I. Weltkrieges sind leider nicht bekannt. Anschließend standen folgende Männer an der Spitze des Vereins:

1919 – 1926Johann Schulze
1926 – 1936Johann Meyer
1936 – 1943Arnold Martens
1943 – 1975Hermann Meyer
1975 – 1994Herbert Meyer
1994 – 2000Karl Stolle
seit 2000 Gerwin Meyer